Foodblog, Kunst, Profikochen und deine Mudda

estherkrone

Ich heiße Esther, und meine Lieblingsbeschäftigung ist die Analyse.

Trotzdem weiß ich das erst seit etwa einem Jahr. Man ist sich selbst der größte blinde Fleck.

Vorher war meine größte Leidenschaft stets wechselnd und hatte meist irgendetwas mit Form und Ästhetik zu tun. Als Kind was ich süchtig nach Notizbüchern und Stiften. In meiner Jugend habe ich extrem viel klassische Musik gemacht und fotorealistisch gezeichnet.

Eine Window-Color-Phase hatte ich, eine Serviettentechnik-Phase, eine in der ich aus diesen furchtbaren Plastikbändern in grellen Neonfarben alles außer Freundschaftsarmbänder geflochten habe.

Dann kam das Kochen und Backen, weil ich aus „Gründen“ mit dem unzufrieden war, was meine Mutter in der Küche produzierte – rückblickend waren diese natürlich Ego und jugendliche Undankbarkeit. Meine Mutter hat mir aber vor allem beigebracht, dass es beim Kochen keine Regeln gibt, und diese Offenheit für Neues hat mich bisher in der Küche am meisten weitergebracht.

So stolz war ich anfangs, dass ich meine Werke auch noch fotografieren musste, und so entstand mein erster Foodblog, ca. 2009. Das Bloggen nahm ich ernst, aber nicht so ernst dass ich es nach meinem Umzug nach Berlin um Kunst zu studieren weiter aufrechterhalten hätte.

Kunst (studieren) war allerdings auch nicht so mein Ding. Als ich begann festzustellen dass die Kreation um der Kreation willen, nicht um ein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu erledigen, mich fürchterlich irritierte, ließ ich auch das sein. Ich wollte nun Buchgestalterin werden, und das war ganz sicher. So sicher dann aber auch wieder nicht, denn die Hochschule lehnte mich gleich doppelt ab, also brachte ich mir erstmal das Bücher binden bei… und ließ auch das links liegen als ich spürte, dass es Zeit war, eine Kochausbildung zu machen.

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Unglaublicherweise habe ich dafür einen Platz in keinem geringeren als dem Hotel Adlon an meinem Geburtstag erhalten. The rest is irgendwie history; ich wurde mittendrin schwanger. Eine Art meines Körpers oder des Universums anzukündigen, dass ich hier zwar richtig gewesen war, doch aber ein Leben in der Küche nicht zu mir passen würde.

Bald wechselte ich bis zum Mutterschutz in die Marketingabteilung des Hotels, wo ich meine Liebe zum Grafikdesign wiederentdeckte. Hätte ich die ersten Monate mit Kind etwas leichter weggesteckt, wäre ich vielleicht immer noch dort, denn es war schön. Leider schaffte ich es aber „nur“ gerade noch mit zwei Tagen Vorbereitung und mein damals sechs Monate altes Baby direkt vor und nach der praktischen Abschlussprüfung stillend, jene zu bestehen, sieben Punkte über dem Minimum.

Was für ein Bruch meines größenwahnsinnigen Perfektionsdrangs, aber there you go. Eine wichtige Lektion für alles, was kommen sollte: unperfekt erledigt ist immer besser als gar nicht gemacht.

Ich schreibe nicht, um dir zu helfen.
Ich schreibe, um mir zu helfen.

You are not required to save the world with your creativity. Whenever anybody tells me they want to write a book in order to help other people, I always think, Oh, please don’t.

Please don’t try to help me. I mean, it is very kind of you to want to help people, but please don’t make it your sole creative motive, because we will feel the weight of your heavy intention, and it will put a strain upon our souls.

Your own reasons to create are enough. Create whatever causes a revolution in your heart.

– Elizabeth Gilbert, Big Magic

Liz hat mein Leben und Denken mit diesem Kapitel in ihrem Buch verändert. Ich war zuvor in einer Zwangsjacke des Glaubens gefangen, nur für andere sein zu dürfen. Ich weiß es jetzt besser:

In einem Jahr seit Entstehung dieses Blogs hat sich so gut wie alles geändert. Ich habe das Konzept Selbstliebe endlich für mich als gut befunden und eine Menge über mich, mein Unterbewusstsein und meinen Werdegang gelernt.

Früher habe ich mir manchmal als Gedankenspielerei vorgenommen, ein Handbuch über mich zu schreiben. Um wichtige Merkmale meiner inneren Welt zu erklären und erst einmal selbst zu verstehen. Das ist bisher nämlich meine lebenslange Mission gewesen – nicht andere verstehen, das fiel mir vergleichsweise leicht, man lernt schließlich echt gut zuzuhören, wenn man so wenig sagt wie ich den Großteil meines Lebens – nein, in erster Linie mich, und die grundlegenden Gesetze des Lebens generell.

Damals wäre es vorrangig dazu da gewesen, mich nicht mehr schlecht fühlen zu müssen, wenn andere mich nicht verstanden haben. Ich würde ihnen einfach ein Pamphlet bzw. dicken Schinken in die Hand drücken und sagen, „hier, kannste nachlesen. Seite 586.“

Jetzt? Ich will nur sammeln, so viel ich kann. Der Kram in meinem Kopf muss dringend irgendwohin, sonst werde ich verrückt, und mein Tagebuch erlaubt das Präzisieren der Analyse nur bedingt. So habe ich auch vielleicht verstanden, wozu dieser Internet-Ort hier dient. Nämlich mir.

Das Tun und Sein um des Für Andere Tun und Seins-Willen ist das, was ich am allermeisten hier in diesem Leben aufgeben muss. Das letzte Jahr habe ich damit verbracht zu lernen, für mich da zu sein – aber das Schreiben wurde immer noch unter dem rechtfertigenden Deckmantel von „anderen helfen“ praktiziert.

Jetzt weiß ich, ich schreibe nur für mich, das ist genug und somit genau richtig. Hier bringe ich mir bei, einfach zu sein, mir genug zu sein, und mich in diesem Seins-Zustand zu lieben, genauso fehlerhaft und verwirrt wie ich nun mal bin.

Hier ist der Ort, wo meine Gedanken zur Ruhe kommen dürfen.

Vielleicht findest du dich manchmal in meinen Worten wieder. Vielleicht auch nicht. Vielleicht hilft dir das eine oder andere, vielleicht nicht.

Beides ist gleich gültig, alles ist genug. In allen Fällen: schön, dass du da bist!

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