Ich wollte es heute mal kurz machen – nicht weil alle Experten sagen, Blogartikel müssen kurz und knackig sein –  das sehe ich natürlich ein, das kommt gut an. Aber meistens habe ich viel zu sagen, und mein Leben lang habe ich so wenig gesagt dass ich mir das von Zeit zu Zeit (ich hoffe ab jetzt jede Woche!) gönnen möchte, das alles loszuwerden und in den Äther hinauszuschicken.

Den Satz da oben habe ich nicht zu ende gebracht: ich wollte es kurz machen weil ich das Ding heute schnell über die Bühne bringen will, damit ich mit dem Nächsten beginnen kann. (Spoiler: dat wird nix)

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Dass es mir mal so geht – dass ich nur fertig werden will, ohne perfekten Inhalt und Struktur und alles – dass es dazu kommt hätte ich mir vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Hier sitzt nämlich die kleine Queen of Alles Muss Perfekt Sein, Sonst Können Wir Es Gleich Bleiben Lassen höchstpersönlich. Wie schade für all die Ideen, die nie ihre Materialisierung erleben durften. So viel Übungspotenzial, futsch.

Das kam von einer Vielzahl an Faktoren, aber auffällig ist dass ich schon mit etwa vier Jahren meinte, ich müsste das tun/sagen/sein, was andere taten/sagten/waren, um “richtig” zu sein. Die anderen konnten in meinen Augen keine Fehler machen, nur ich hab es nie richtig gemacht weil ich nicht perfekt war.

Ich muss mich immer noch täglich daran erinnern dass nur ich wissen kann was ich will, und was für mich funktioniert. Ich habe es mittlerweile satt, mich zu vergleichen. Ich habe es satt, mir von anderen abzugucken wie ich sein soll, was ich tun soll, was ich sagen soll. Und dazu fällt mir in letzter Zeit ein Massenphänomen besonders auf: Onlinekurse.

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(Eine Strategie für) Das größte Glück der Erde

Onlinekurse existieren in erster Linie für ihre Entwickler als schnelle Geldquelle mit minimalem Aufwand vorab. Danach erst kommt die angeblich vorrangig wichtige Mehrwert-Weitergabe an ihre Konsumenten. Versprochen wird dabei die Vermittlung von “Geheimnissen”, die man kennen muss, um x-Ding zu erhalten, für das der jeweilige Onlinekurs-Fabrizierer selbst mit Schweiß und Tränen und Blut gestruggelt hat, bis ihm ein Licht aufging und er innerhalb von zwei Monaten ein dauerhaft steigendes, mindestens sechsstelliges Einkommen hatte. “Gold und Geld”, wie mein Sohn gerne sagt, weil das der kleine Bär und der kleine Tiger unten suchen, nur um es oben zu finden (und es dann wieder zu verlieren).

Auf diese Masche – die tatsächlich nur bedingt eine ist, sie meinen es teilweise schon ernst mit ihrem Bestreben, Menschen zu helfen – wird hereingefallen, weil der Traum, den sie verkaufen als so greifbar dargestellt wird dass man kaum widerstehen kann. Es wird glaubhaft gemacht, wenn du es so machst wie ich, wenn du so bist wie ich, dann bekommst du was du willst.

So sind plötzlich alle selbsternannten Internetunternehmer zu Marketing- und Finanzexperten geworden.

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Und weißt du was? Das kann sein! Ich will ihnen gar nicht unterstellen, dass sie nicht wissen, was sie da erzählen. Sie haben durchaus Taktiken und Strategien und Tricks und Tipps und Wissen. Man kann bestimmt von ihnen profitieren. Und es gibt natürlich immer Ausnahmen. Ich habe selbst letztes Jahr an einem Fotografiekus teilgenommen in dem mir tatsächlich sehr wertvolles Wissen vermittelt wurde, das ich mir sonst hätte mühsam über Jahre selbst erarbeiten müssen; das Geld war wirklich gut investiert. Aber auch dieser Kurs hat mir ein Traum von Leben versprochen, das sich in dieser Form (noch) nicht manifestiert hat.

Denn! Es gibt einen riesigen Haken mit diesen Kursen, der gleichzeitig sicherstellt dass tatsächlich nur wenige, die das Geld dafür hinlegen auch das erreichen, was ihnen versprochen wird. So könner die Macher immer weiter verkaufen ohne Sorge, bei den Massen an Teilnehmern könnte es dazu kommen dass keiner mehr Bedarf hat.

Die wirklich gewünschten Ergebnisse können nicht durch Tipps, Taktiken, Strategien und “Geheimnisse” hervorgebracht werden.

Sie manifestieren sich, wenn unsere unbewussten und bewussten Intentionen deckungsgleich sind.

Und dann kommen sie auf eine Art daher, die man sich zuvor mit dem Verstand nicht hätte ausmalen können.

(Deswegen sind diese Leute auch so begeistert von ihren “Strategien”. Sie haben an sich gearbeitet – Hut ab! – und der Erfolg stellte sich ein – unerwarteterweise. Nicht: Sie haben sich eine Strategie überlegt und umgesetzt und bumm. Der Erfolg wird der Strategie bzw. der Oberflächenhandlung zugeschrieben statt dem, was anscheinend “unabsichtlich” und unbewusst unter der Oberfläche passiert ist. Wenn sie meinen, sich das Ganze vorher überlegt zu haben ist es ein klassischer Fall der narrativen Verzerrung: im Nachhinein macht alles Sinn, man kann sich immer eine Story basteln, die es passend macht.)

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Eine Strategie funktioniert für den Macher des Onlinekurses, und eventuell für einen bis drei Teilnehmer, so wie sie soll – weil sie mit ihrem Hintergrund, ihren Erfahrungen, Verletzungen und verdrängten Emotionen und Glaubenssätzen harmoniert. Oder/und weil sie bereits genug innere Arbeit gemacht haben, um für die gewünschten Ergebnisse Platz zu schaffen.

Bei den anderen spielt sich eins von zwei Szenarien ab:

a) Sie strategieren sich dumm und dämlich, Ergebnisse bleiben aus. (Nächster Onlinekurs.)

Die Strategie selbst – der Umgang mit dem Was Ist, dem Greifbaren, dem Bewussten – funktioniert nur, wenn sie sich mit dem Immateriellen, dem Nicht-Greifbaren, dem Unbewussten deckt.

b) Sie tun gar nicht erst das, was der Onlinekursmacher vorschlägt, Ergebnisse bleiben aus. (Nächster Onlinekurs.)

Wenn die Glaubenssätze und Absichten des Unterbewusstseins stark von der Intention hinter der Strategie – der bewussten Absicht, demnach – abweichen, kommt es gar nicht erst zur Tat.

Wenn ich prokrastiniere steckt meistens das dahinter. Ich habe keine Ahnung, was ich tatsächlich will, deswegen verweigert mein Unterbewusstsein jegliche vermeintlich produktive Tat in die vermeintlich richtige Richtung, bis ich herausgefunden habe was ich in dieser Situation wirklich verweigere. Sind ja schließlich meistens leicht zu erledigende Sachen, vor denen man sich drückt, das hilft dem schlechten Gewissen nicht weiter.

Und am Ende stellt sich heraus, ich habe gar nicht meinem Traum hinterhergejagt. Ich habe den gejagt, der mir verkauft wurde.

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Das kleine ABC der Schattenarbeit

Das Unterbewusstsein projeziert auf die Welt was es für wahr hält. Die Gedanken selbst haben nur wenig Einfluss darauf, obwohl sie davon gesteuert werden. Ich kann planen und denken und tun und strategieren und tricksen und hoffen wie ich will, wenn ich nicht meinen echten Antrieb untersuche werde ich nicht weiterkommen. (Es sei denn, wie gesagt, das deckt sich alles, dann habe ich kein Problem, aber – hust – dann wäre ich ein perfekter Mensch, und würde – Überraschung – nicht existieren).

Wenn ich weiterkommen will, muss ich mich mit dem inneren Zustand auseinandersetzen, den ich anstrebe. Ich muss in meinem jetzigen Leben – ja, in dem blöden, langweiligen Jetzt, immer wieder Beweise dafür sammeln, dass ich jetzt schon alles habe – wenn auch in kleinerer Form – was ich wirklich will. Mit der Kultivierung dieses Zustands kann ich mir erlauben, ihn nach und nach zu vergrößern.

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Ich muss mich außerdem damit befassen, was ich ablehne. Darin liegt vielleicht die größere Kraft. Alles, was ich in mir ablehne wird sich mir in der äußeren Welt immer und immer wieder zeigen, bis ich mich bereit erklärt habe es anzunehmen und mit der Wunde zu arbeiten, die dahinter steckt, statt sie weiter mit Kreppband zuzukleben und dann zu behaupten, sie sei nie dagewesen, wo siehstn da ne Wunde?

Daran muss ich, genau wie “im echten Leben”, arbeiten. Mit der Hand, mit dem Körper. Im Kopf können diese Sachen und Dinge nicht gelöst werden.

Da ist die Gefahr, die von Onlinekursen (und Selbsthilfebüchern!) ausgeht. Wer noch nicht genug leidet wird die durchaus in der Theorie funktionierenden Strategien nicht umsetzen, weil schlicht kein Bock. Keine Sofort-Ergebnisse. Keine Aha-Momente. Man müsste ja was tun. Ja, Onlinekurse sind halt auch verdammt bequem, daher rührt auch ein Teil ihrer Massentauglichkeit. Wenn man gerade so schön aufm Sofa liegt ist es zu anstrengend, sich zu bewegen und vielleicht ein Notizbuch zu nehmen und ein Stift um sich per Hand etwas von der Seele zu schreiben.

Ich habe mich jahrelang mit Selbsthilfebüchern überschwemmt und komischerweise hat sich nie irgendetwas geändert – weil ich nie etwas geändert habe. Ich habe die Fragen nicht schriftlich beantwortet, wenn ich dazu aufgefordert wurde. Ich habe die Übungen nicht in der Realität ausgeführt. Ich habe nicht gehandelt.

Ich habe nur das getan, was mir zufiel, und das war: Lesen. Aber wenn du nur tust was dir zufällt, wird dir nicht zufallen was du möchtest. Du wirst dich weiter im gleichen Kreis drehen, der dich schon Jahre umgibt. Du wirst weiter frustriert sein, dass du nicht weiter kommst.

Und ja. Manchmal ist es echt schwer. Das hier, zum Beispiel, ist heute echt schwer. Nach jedem Satz möchte ich lieber etwas anderes tun. Nach jedem Gedanken habe ich keine Lust mehr, ist mir zu anstrengend. Es ist zu viel da, mal wieder, was raus muss – nix da, kurzer Eintrag heute – das wird vermutlich der Längste aller Zeiten.

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Flow

Ich komme immer wieder in Versuchung, einen Onlinekurs oder eine Marketingstrategie zu kaufen, weil ich ungeduldig bin.

Mein Ego will dass dieses Ding hier endlich explodiert, dass ich endlich 100.000 Leser im Monat habe, dass ich endlich locker mit einer Kooperation im Monat genug Geld zum Leben verdienen kann.

Aber diese sogenannten Abkürzungen bringen mich nicht weiter. Bestenfalls habe ich ein bisschen dazugelernt. Schlimmstenfalls habe ich meinen Fluss unterbrochen weil ich mich auf das Aufsaugen weiterer “Weisheiten” konzentriert habe – und bin nur minimal weitergekommen, nicht mehr als hätte ich einfach wie bisher mein Allerbestes gegeben und kontinuierlich an mir selbst gearbeitet. Und bin 300€ losgeworden. No thank you.

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Jedes Mal, wenn ich diese Gedanken habe, komme ich darauf zurück: Ich muss weitermachen. Ich muss tun. Ich muss mein Ding tun. So gut ich kann. Jeden Tag 1% besser, wie James Altucher immer sagt, zumindest versuchen. Von mir erzählen, ehrlich sein. Vulnerable – mein Wort und Unwort des Jahres 2018.

Jedes Mal, wenn mein Ego meinen Weg abkürzen will, komme ich darauf zurück dass ich in diesem Moment etwas zu lernen habe. Ich kann untersuchen, weshalb mein Unterbewusstsein jetzt keine 100.000 Leser im Monat will. Weil, wenn man mal so darüber nachdenkt – that’s fucking scary. Das macht mich angreifbar. Da kommen ganz andere Probleme auf mich zu. Wenn es soweit kommt.

Deshalb weiß ich: Es ist gut, dass ich genau jetzt genau hier bin. Mit etwa 20 Lesern. Das ist für mich jetzt noch sehr gut aushaltbar. Wenn ich mit mehr umgehen kann, werden auch mehr kommen. Wenn ich mir mehr zutraue, mache ich auch mehr, und dann kommt auch mehr (Gold, Geld…).

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Es ist nämlich unmöglich dass gar nichts passiert wenn man regelmäßig, über eine lange Zeit hinweg gute Dinge in die Welt setzt. Das zu glauben ist unrealistisch, statt umgekehrt zu meinen “man muss halt Glück haben/schon bekannt sein/Modelmaße haben und jeden Tag 5 Selfies im Bikini posten/nur die passende Strategie haben”. Aber dabei ertappe ich mich doch immer und immer wieder. Beim klein-Denken. Beim uralten ichmussdochwasrichtigesmachendiesesneuzeitzeugsfunktioniertnurfüreinenvon10000000unddiehabeneinfachnurglück. Nein. Es gibt oben genug Platz. Ich nehme keinem etwas weg wenn ich “erfolgreich” werde. Und keiner kann mir etwas von echtem Wert wegnehmen wenn ich mir selbst treu bleibe und bei Bedarf den Kurs ändere.

Also. Ja, meine Fresse, ich mache hier weiter, so viel ich kann, auch wenn es sich gerade wie zwanzig Augenbrauenhaare auf einmal Zupfen anfühlt. Auch wenn ich (aka mein ungeduldiges Ego) gerade das Gefühl habe, niemand wird sich jemals dafür interessieren, und erst recht wird keiner mir irgendwann mal Geld dafür geben, was ich hier mache.

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Oh, ich habe noch so viel zu tun.

Und noch drei Peanut Butter Brownie Banana Törtchen im Gefrierfach. (Muss ich dazu noch irgendwas sagen? Das Einzige was es verbessern könnte wäre vielleicht die Banane zu karamellisieren. Aber psst. Mir reicht das hier, so.)

Macht es gut.

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Peanut-Butter-Moussetörtchen mit Brownieboden
und versteckter Banane

für 6 Törtchen bzw. 6-12 Personen
Brownies via Smitten Kitchen


Brownieboden

140 g Butter
220 g Zucker
65 g Kakaopulver
1/4 tl Salz (oder knapp 1/2 tl Fleur de Sel o.ä.)
1/4 tl gemahlene Vanille
2 Eier, kalt (Klasse L)
65 g Mehl

Peanut-Butter-Mousse

2 Blatt Gelatine
100 g Sahne
90 g Zucker
1/8 tl gemahlene Vanille
1/4 tl Zimt
160 g Peanut Butter, cremig
150 g Crème fraîche
200 g Schlagsahne

Zum Zusammensetzen

1-2 nicht zu reife Bananen (mit hellgrünem Ansatz)
Bananenchips


Brownieboden herstellen

Ofen auf 160°C mit Umluft vorheizen. Eine kleine Auflaufform (18×23 cm) längs und quer mit Backpapier auskleiden, sodass alle Seiten bedeckt sind.

Butter mit Zucker, Kakaopulver, Salz und Vanille in einer Metallschüssel über einem Topf mit heißem Wasser langsam schmelzen, dabei ab und zu mit einem Holzlöffel oder Teigschaber umrühren. (Oder mikrowellengeeignete Schüssel und Mikrowelle verwenden.) Der Zucker wird nicht schmelzen, keine Panik, die Mischung wird gleich glatt.

Eier nacheinander zugeben und unterrühren. Die Mischung sollte jetzt sehr glatt sein und glänzen. Mehl zugeben und kräftig einrühren.

Teig in die vorbereitete Form füllen und glatt streichen. Etwa 20 bis 25 Minuten backen. Ein Stäbchen, das in die Mitte gesteckt wird, sollte leicht angefeuchtet wieder herauskommen.

Boden aus der Form nehmen und vollständig auskühlen lassen.

Peanut Butter Mousse herstellen

Die Gelatine mindestens zehn Minuten (je länger, desto besser) in kaltem Wasser einweichen.

100 g Sahne mit Zucker, Vanille und Zimt in einem Topf erhitzen, bis der Zucker vollständig aufgelöst ist. Gelatine gut ausdrücken und in der Mischung auflösen. Peanut Butter dazugeben und mit einem Teigschaber untermischen.

Restliche Sahne und Crème fraîche (ganz kurz vor) steif schlagen. Ein Drittel davon in die Peanut Butter-Mischung geben und gut einrühren. Die restliche Sahne dazugeben und vorsichtig unterheben, bis die gröbsten Streifen verschwunden sind. Nicht überarbeiten.

Törtchen zusammensetzen

Aus dem Brownieboden mit Dessertringen 6 Kreise ausstechen, die Kreise darin belassen. Die Form mit neuem Backpapier belegen, die Ringe mit Brownieboden hineinsetzen.

Eine oder zwei Bananen in etwa 3,5 cm lange Stücke schneiden, eins in die Mitte jedes Rings setzen. Die Mousse darauf verteilen (z.B. mit Spritzbeutel, ich spare mir den Schritt und mache es lieber unordentlich) und mit einer kleinen Winkelpalette oder einem Messerrücken glattstreichen.

Nun entweder einfrieren oder mindestens 3-4 Stunden bzw. übernacht kaltstellen. Für glatte Kanten beim aus den Ringen Herauslösen eignen sich gefrorene Törtchen; wem die weniger wichtig sind lässt das sein und stellt sie nur kalt.

Zum Herauslösen die Törtchen auf Teller setzen, dann mit einem Bunsenbrenner die Ringe erhitzen, bis sie sich bei leichtem Gegendruck auf das Törtchen nach oben abziehen lassen.

Mit Bananenchips dekorieren. (Gefrorene Törtchen müssen dafür erst einmal im Kühlschrank auftauen)

Happy happy Törtchen!!

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