Creative entitlement doesn’t mean behaving like a princess, or acting as though the world owes you anything, whatsoever. No, creative entitlement simply means believing that you are allowed to be here, and that – merely by being here – you are allowed to have a voice and a vision of your own.

– Elizabeth Gilbert

Im letzten Artikel habe ich angekündigt, dass ein Rant zu meinen Glaubenssätzen über „Foodbloggen – wie man es macht“ folgen wird. Here we go!

Die Weisen, auf die mein Verstand mich irregeleitet hat seitdem ich diesen Blog führe – seit ich lebe – kann ich fast nicht mehr zählen. Ich dachte zum Beispiel, ich darf ausschließlich neue Rezepte veröffentlichen. Zumindest „perfektioniert“, was auch immer das bedeuten soll.

Überraschung – das hat mich blockiert.

Tatsache ist, ich habe mir Kochen und Backen beigebracht indem ich Rezepte so detailgenau, penibel, selbstkritisch befolgt habe, dass die Ergebnisse gar nicht anders als gut werden konnten – es sei denn ein Rezept erforderte eine Technik, die wirklich Übung und Geschick erfordert um gut zu funktionieren. Aber die allermeisten Dinge, die man so als Siebzehnjährige backt sind nicht so kompliziert und werden dementsprechend grundsätzlich ganz gut.

Ich habe mir damals schon die kompliziertesten Dinge gesucht, die ich finden konnte. (Kirschstrudel mit rosa Sabayon, anyone?) Und war dann frustriert (extrem) wenn es nicht geklappt hat. Mein allgemeiner (extremer) Perfektionismus hat mich aber dazu getrieben, mir sehr viel Mühe zu geben, entsprechend ist vieles auch sehr gut geworden. Außerdem habe ich damals so viel Zeit mit dem Lesen von Foodblogs verbracht, wo die jeweiligen Autoren auch eine Menge Wissen weitergaben, dass ich vieles schon im Hinterkopf hatte bevor ich etwas überhaupt ausprobiert hatte.

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Letztes Jahr aber hatte ich mir dann plötzlich in den Kopf gesetzt, ich weiß wie dieses Bloggen-Ding funktioniert – und zwar nur mit Original Content™.

Ich war mir völlig sicher, dass das voll meins ist. Innovation und so. Immerhin hatte ich schon eine Weile nicht mehr wirklich Rezepte befolgt, viel einfach drauf los gemacht, und meistens wurde das dann irgendwie echt passabel.

Mit dem Ziel, das hier damit verfolgt wurde – gute, erprobte Rezepte teilen – hat das Ganze mich aber größtenteils frustriert. Wenn ich dann mal mit einem Rezept „fertig“ war, war ich immer noch nicht so super glücklich mit dem Ergebnis. Die meisten hätte ich gerne noch 2-3 mal ausprobiert, konnte mich aber nicht dazu durchringen, die Luft war einfach raus, und was ich die ganze Zeit nicht wahrhaben wollte war:

Ich liebe es nicht, ständig Essen wegzuschmeißen. Darauf läuft es nämlich hinaus, wenn man ständig Neues ausprobiert. Vieles geht nunmal daneben. Und man kann nur begrenzt Kuchen essen. 

Ich liebe es auch nicht, bei jedem neuen Rezept in letzter Sekunde erst zu merken dass ich das Salz vergessen hab, oder dass Säure Milchprodukte gerinnen lässt (duh…).

Ich liebe es nicht, 12 Mal hintereinander mit zu flüssigem Brotteig dazustehen weil ich mir so sicher war dass die Wassermenge richtig war aber die Mehlmenge falsch berechnet hatte und bla bla bla. Du weißt schon. Ich bin halt son Mensch. Entweder bin ich voll drin und lasse mich dann auch nicht durch dieses furchtbare „Mengen aufschreiben“ ablenken, oder ich mache es 100% wie es im Buche steht.

Fehler machen ist völlig in Ordnung und basically mein Lebenselixier, aber die Häufigkeit der absoluten Fails wurde mir doch langsam zu viel.

Einerseits haben sie mir als Ablenkung vom Wesentlichen gedient – so „durfte“ ich mich darauf konzentrieren was ich gerade noch alles falsch machte, statt mit voller Kraft voranzupreschen. Andererseits waren sie auch da weil ich mich so sehr darauf verkrampft hatte, Neues zu machen weil man das als Foodblogger so macht.

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Aber wer sagt denn, dass es mir als „Foodbloggerin“ (in Anführungsstrichen weil irgendwie haha) automatisch verboten ist, schlicht die richtig guten Rezepte hervorzuholen, auf die ich immer wieder zurückkomme, die so gut sind dass ich nie wieder etwas anderes machen möchte, die auf so klassische Weise einfach funktionieren dass jede Abwandlung eine Schande wäre?

Wer sagt dass ich nicht einfach mein Wissen um die Beschaffenheit eines guten Rezepts nutzen kann, um die etwas mehr zu verbreiten?

Nur mein sehr irrationaler Verstand und mein Ego, das nicht nur Anerkennung braucht für das, was ich sowieso mache – es braucht auch noch welche für alles, was ich theoretisch könnte, und deswegen muss das dann auch getan werden. Natürlich!

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Früher sagte ich häufig – oder dachte es zumindest: ich suche doch nur guten Rezepte, lese sie aufmerksam und setze sie um. Das ist nicht sehr schwer. Aber man schrieb mir „Talent“ zu, das ich meiner Meinung nach in diesem Bereich gar nicht habe – nur manchmal etwas Glück (mit guten Rezepten).

Und irgendwann habe ich den Leuten geglaubt und ging dazu über, einfach „Danke!“ zu sagen – weil man ja Komplimente annehmen muss, sie aus oben genannten Gründen „abzuweisen“ erntete immer herablassende, angeleidigte Blicke.

Wie es dann so ist – ab irgendeinem Punkt macht man die Dinge, die man aus den „falschen“ Gründen begonnen hat nur noch für die Komplimente.*

Nicht bewusst, klar (!). Aber die Motivation dahinter ist völlig anders als die hinter den Dingen, die man macht weil sie gut tun. „Man“ muss sich aber die Chance und die Zeit geben, sie zu sehen.

Bezüglich neuer Rezepte habe ich durchaus eine gewisse Kreativität – das Potenzial, Vorhandenes neu zu kombinieren, vorausgesetzt es geht schnell –  aber völlig Neues entstehen zu lassen war noch nie meins und muss es auch nicht sein. Es reicht mir – mittlerweile, mit etwas mehr Demut – völlig aus, Dinge, die schon vorhanden sind auf meine Art gut zu machen und zu präsentieren.

Und wenn ich vor letzter Woche noch nie Blaubeermuffins gemacht hatte, warten da sicherlich noch tausende wundervolle, beim ersten Versuch perfekte, klassische Rezepte die so gerne fotografiert werden wollen – weil ganz ehrlich, das macht mich an dem Ganzen am „leuchtigsten“. Fotos, schreiben, kleine Stücke produzieren. Und wenn es gerade so richtig leicht ist, doch etwas ganz Neues zu machen? Verbiete ich mir das auch nicht.

Freude maximieren, Frust minimieren. Einfach. Eigentlich.

Auf Leichtigkeit!

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*NB, vor allem für mich: Das alles klingt sehr nach Verantwortungs-Abgabe, oder sogar Beschuldigung, á la: „Ich konnte gar nichts dafür, so zu sein! Immer diese Gesellschaft ist schuld!“. Es ist wohl richtig, die Teil-Verantwortung der Art anzuerkennen, wie die Umstände, die Gesellschaft, etc. uns prägen, vor allem um die Last der ewigen Selbstbeschuldigung am eigenen Leid loszuwerden, indem akzeptiert wird – es ist so wie es ist. Dann aber muss trotzdem die eigene Verantwortung gesehen und anerkannt werden. Somit soll das hier ein Sich-Stellen und Akzeptieren der Tatsache sein, dass ich das Genannte nicht viel früher gesehen und geändert habe, um frei davon einen neuen Weg einschlagen zu können.

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