Vor etwa drei Wochen habe ich meinen Computer zerstört.

Ich hab einen Hang dazu, meine elektronischen Geräte vollständig nutzlos zu machen. Nicht absichtlich! Wer macht sowas?? Mein Gehirn ist eben meistens eher mit Denken beschäftigt als mit den materiellen Dingen in der materiellen Welt – leider oder gottseidank, ich weiß es nicht. Mein Körper sieht auch häufig entsprechend aus – voller Dellen – also, Flecken – also, blauen.

pumpkin red wine shallot rolls with goat cheese

Es fügen sich immer wieder auf kaum vorhersehbare Art und Weise die kleinen Zwischenfälle zu größeren Missgeschicken zusammen, sodass am Ende irgendwas draufgeht.

Smooth move, Ferguson

Mein herzallerliebstes Macbook Pro, sechs Jahre in meinem Besitz, erlitt bleibenden Schaden zunächst durch, ähm – ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr was da passiert ist – aber der sich kurios aufblähende Akku hat das Trackpad zerstört. Danach fiel er ein paar Mal auf den Boden. (Ich war auch anderweitig benebelt in dieser dunklen Zeit).

Irgendwann zeigte der Bildschirm nur noch wechselnde sternähnlich anmutende Grafiken in gewagt knalligen Neonfarben an.

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Mein erstes iPhone fiel grob geschätzte 187 mal auf den Boden, 29 mal davon auf sehr harten Hotel-Back-of-House Fliesenboden, einmal durch eine mir unbekannte Person. (Merkwürdige Geschichte – es war in meiner Schürze, die ich kurz abgelegt hatte, und als ich sie wieder angezogen habe zeigte der Bildschirm die Spider-App an und es war ein 6-minütiger Anruf an eine Person aus meiner Vergangenheit getätigt worden.)

Entsprechend wurde das Display insgesamt sagenhafte drei Mal gewechselt.

Zum Schluss hatte ich keinen Bock mehr, dafür 100 Euro beim Libanesen gegenüber zu zahlen obwohl er es schon einmal für 40 gemacht hatte und jetzt bestritt dass das jemals der Fall gewesen sein konnte… und kaufte mir ein schniekes neues Telefon.

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Zwei Jahre später, man kennt die Geschichte schon – ich dachte, mich mit Panzerungen aller Art gesichert zu haben – hielt mein Sohn dieses ins Klo. Sense aus.

Das Lifebook, das neueste Opfer meines materiell unpräsenten Gehirns war sowieso nicht so sehr für meine Zwecke geeignet – nach dem Tod des Macbooks bekam ich es als Hand-me-down von meiner Mutter, die nicht damit umgehen konnte (es hatte einen Touchscreen, oh Graus!). Aber es hat getan was es konnte, und dafür war ich durchaus dankbar.

Vor ein paar Monaten habe ich es in solch einem wie oben beschriebenen Moment der Nichtanwesenheit auf die Dockingstation gelegt, nahm ein halbes Einrasten wahr, und klappte es auf.

KKKRRllgthschgah.

Ich schreckte auf, in den echten, materiellen Moment hinein. Die hintere linke Ecke war aufgebrochen, und der Spalt ging weiter auf oder wieder etwas zusammen, je nachdem wie der Bildschirm bewegt wurde.

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Wie auch immer das geschah, nach einem ersten Moment (ok – eine Stunde etwa) der Panik stellte ich fest, der Computer ließ sich noch problemlos bedienen und machte nur, wenn man ihn entweder auf oder zuklappte einen leichte Sorge hervorrufenden Knirscher.

Ich fand also heraus, in welcher Position der Bildschirm sich befinden musste, damit die Gesamtsituation am wenigsten fatal aussah und beließ ihn ab sofort immer darin. War ja nicht so als ob ich damit große Geschäftsreisen vorhatte.

Ich machte eine mentale Notiz, irgendwann mal damit zur Reparatur zu gehen.

Aber es brannte ja nicht, also hatte ich nie Zeit dazu.

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Vor zwei Wochen brannte es dann doch. (Metaphorisch!!) Um schnell zur Sache zu kommen: Es kam wieder soweit, dass besagte neonfarbige Grafiken angezeigt wurden. Echt hübsch eigentlich!

Kaputtkaputtkaputt → Phoenix, bitch

Jetzt musste der Typ aber echt, ernsthaft zur Reparatur.

Zeitgleich überlegte ich, was ich im Fall der Fälle tun müssen würde, um einen neuen Computer anzuschaffen. Papa anhauen ist mir schon immer unangenehm gewesen, und mittlerweile für mich vollkommen off-limits. Eine Finanzierung? Sowas wollte ich eigentlich nie wieder machen.

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Ich bekam immer wieder einen etwas nervigen Ping, wie Lacy Philips es nennt, doch mal nur zu schauen, wie sich die Konditionen meines bestehenden Kredites ändern würden, wenn ich ihn etwas aufstocken würde. Zuerst dachte ich – auf keinen Fall, das mache ich nicht mehr, ich falle nie wieder in Versuchung!

Trotzdem hab ich es einfach mal ausprobiert. Weil, Offenheit und so.

Die Konditionen wurden drastisch verbessert. Es kam viel mehr Geld heraus als erwartet.

Ich hab mir mit dem Ganzen viel Zeit gelassen, um es mit Bedacht anzugehen – nix da, gleich am selben Abend online identifizieren und unterschreiben – ich hab es 1,5 Wochen hinausgezögert und alles per Post erledigt. Ich hatte am selben Abend schon gespürt, wie mein Herzschlag sich erhöhte, und einmal in meinem Leben wollte ich mich ganz bewusst dem instant-gratification-Trieb entgegensetzen.

Das war nicht unbedingt leicht, hat sich aber gelohnt. Am Ende habe ich sogar durch etwas längere Recherche einen viel besseren Computer für viel weniger Geld erwischt als ich mir am Abend des Lifebook-Tods hätte erträumen können.

(Es war wirklich tot, wie ich vor ein paar Tagen endlich erfuhr. Vollständig. Nichts zu machen. Offizielle Diagnose: Totalschaden. Festplatte ebenfalls zerstört. Wahnsinn.)

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Und was lernen wir aus der Geschicht‘?

1.

Ich mache mich längst nicht mehr dafür fertig, dass meine Geräte immer kaputtgehen. Trotzdem gebe ich mein Bestes, mit diesem Wissen (Dinge gehen kaputt wenn ich nicht bewusst bei der Sache bin) achtsam mit ihnen umzugehen… genauso wie ich es mit mir und meinem Körper mache.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Zustand dieser eher kostspieligen Geräte den meines eigenen materiellen Körpers wiederspiegelt. So wie er mein Bewusstsein, meine Gedanken beinhaltet, sind Computer und Telefon die Behausungen meiner Materie gewordenen Gedanken und Ideen.

Kümmere ich mich um mein eigenes materielles Dasein, ist auch die Materie mit der ich tagtäglich in Berührung komme in Sicherheit, sie gedeiht sogar. Just a matter of Achtsamkeit.

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2.

Wenn ich mich nicht darauf konzentriere was ich verloren habe, sondern darauf was ich gewinnen könnte, werde ich höchstwahrscheinlich gewinnen, in welcher Form auch immer. Das ist ein Naturgesetz.

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3.

Das Leben, Universum, Gott, the Force, oder das elektromagnetische Feld – wird mir immer den nötigen Arschtritt geben, wieder in die Puschen zu kommen, wenn ich mal etwas vom Kurs abgekommen bin. Je nachdem, wie schnell ich darauf höre, wird er mehr oder weniger sanft sein. In diesem Fall war es ein unsanfter „Kümmer dich endlich wieder um deinen verdammten äh heiligen Körper!“ – Arschtritt.

In den zwei Wochen ohne Computer sind beinahe täglich Dinge passiert, die mir eindeutig gezeigt haben – mein Fokus auf Arbeit, Produktivität, allgemeines Schaffen auf der materiellen Eben hat meine Priorität Nummer Eins auf Platz 34 rutschen lassen. Das ging so nicht weiter.

Heute war ich wieder laufen, bevor ich diesen Eintrag geschrieben habe. Es war kalt und mein Hals schmerzte als hätte ich eine Mandelentzündung, – aber danach war der ganze emotionale Dreckscheiß, der die letzten Wochen irgendwie immer präsent war wortwörtlich weggepustet.

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4.

Auch wenn die Festplatte tatsächlich nicht mehr zu retten ist – alle Daten weg – musste ich mit Erstaunen feststellen dass mich das überhaupt nicht stört. Nach dem Monat, den ich jetzt ohne dieses Ding verbracht habe, weiß ich kaum noch was da wirklich Wichtiges drauf sein könnte.

Die Fotos, die bearbeiteten, hatte ich alle in der Cloud gesichert. Ein bisschen Arbeit wird es mich kosten, z.B. die Rechnungen mit den geschäftlichen Ausgaben wieder zu digitalisieren und zu ordnen. Der ganze Papierkram halt. Die Logodateien für diesen Blog sind weg. Alles nur eine Chance, neu zu beginnen. Außerdem habe ich so genau 0 Euro für Datenrettung ausgeben müssen.

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Endlich Schnecken!!!1elf

Mittlerweile ist es schon so lange her dass ich sie gebacken habe dass ich es eigentlich gleich morgen wiederholen möchte/muss. Das allererste Mal habe ich sie kurzschnell am Abend vor meinem letzten Tag in meiner ersten Berufsschulklasse gemacht – ich war die Einzige die im nächsten Jahr in die sogenannte „Köche+“-Klasse wechseln würde, und ein bisschen lieb gewonnen hatte ich die Spinner dort schon.

Also sponn ich aus meinem liebsten Zimtschneckenrezept (oh, Cynthia, meine erste Backheldin) etwas herzhaftes, weil ich doch immer eher diese Dinge mehr mochte, und brachte sie – unerwartet riesige Dinger – in die Schule mit. Dort entdeckte eine Person ein Katzenhaar an ihrer Schnecke. Ein bisschen peinlich – in der Berufsschule, wo es ausschließlich um Hygiene ging, wenn man es ganz ehrlich betrachtet. Aber in meiner Wohnung damals waren die Katzenhaare einfach überall, vollständig unaufhaltbar.

Als ich dann einem Lehrer eine Schnecke anbot – mit der Warnung, es könnten Katzenhaare enthalten sein – sagte er mit lässigem Schmunzeln, „Ach, ich bin Koch, das stört mich überhaupt nicht.“

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Kurze wichtige Sauerteig-Promotion

Ich habe mir vor ein paar Monaten endlich einen Sauerteig angesetzt – lebensverändernd, obviously. Beim Ausprobieren der vielen – echten – Rezepte (vorher hab ich mit mäßigem Erfolg Chemieprofessorin gespielt) fiel mir auf dem Plötzblog eine Zutat auf, die ich näher recherchieren musste: Lievito Madre, italienisch: Mutterhefe. Gleich angesetzt; very easy Gemisch aus Mehl, Wasser, Honig und Olivenöl.

Wenn ich dachte, der Roggensauerteig hätte mein Leben verändert – dieses Wesen hat es erschüttert.

Ich brauche keine Hefe mehr! Zugegeben, ich gebe immer noch Kleinstmengen dazu, nur um auf der sicheren Seite zu sein, aber eigentlich könnte ich mittlerweile schon drauf verzichten. Dieser Teig ist das triebstärkste Etwas das mir jemals über den Weg gelaufen ist.

Die Vorteile sind mannigfaltig: Man muss kaum Hefe kaufen; Der fertige, gebackene Teig schmeckt nach Teig statt nach Hefe! Für mich das Allerbeste – mich hat der penetrante Hefegestank bei klassischen Hefeteigrezepten immer etwas bis sehr gestört. Er lenkt doch so sehr vom Rest ab, oder? Außerdem ist Sauerteig auch bekanntlich um einiges gesünder als die viele Hefe. Weil Fermentation und so. Wobei der Gesundheitsaspekt bei diesem Rezept nicht das Hauptanliegen des Konsumierenden sein wird, denke ich.

Hier ist eine wunderbare Anleitung zum Ansetzen. Ich empfehle die 25-Tage-Methode. Es ist echt schwer zu vermasseln und lohnt sich so sehr, wenn man sowieso öfter Hefeteige backt. Just try it. (Habe in den Hinweisen unten trotzdem die Rezeptur ohne Lievito Madre versteckt.)

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Kürbis-Rotweinschalotten-Schnecken
mit Ziegenkäse

nach Cynthia Barcomi, stark abgewandelt
ergibt 12 Stück


Teig

250 g Kürbis, gegart, warm*
60 g Butter, weich
130 g Lievito Madre**
520 g Mehl (Type 405)
3 g Frischhefe
20 g Zucker
1 tl Salz
1 tl Kurkuma
Prise schwarzer Pfeffer
1 Ei (Kl. L)
70 g Buttermilch

Rotweinschalotten

250 g Schalotten
jeweils 1 Zweig Rosmarin und Thymian
600 g halbtrockener Rotwein
100 g Butter
Prise Zimt

außerdem

1 Rolle Ziegencamembert (200 g)***
Salz und Pfeffer


Teig herstellen

Ofen auf 100°C vorheizen, dann ausschalten.

Kürbis mit Butter pürieren. Lievito Madre, Mehl, Hefe, Zucker, Salz, Kurkuma und Pfeffer in die Schüssel einer Küchenmaschine geben. Die Kürbismischung und das Ei dazugeben, auf erster Stufe mischen. Buttermilch schluckweise dazugeben, bis ein zusammenhängender Teig entsteht. Auf zweiter Stufe etwa 10 Minuten kneten, mindestens bis sich der Teig vollständig vom Schüsselrand löst. Schüssel mit Frischhaltefolie abdecken und 2 Stunden im warmen Ofen ruhen lassen; er sollte sich beinahe verdoppeln.

Rotweinschalotten herstellen

Schalotten schälen, Strunk abschneiden, der Länge nach halbieren und dann auch der Länge nach in feine Streifen schneiden. Mit dem Rotwein, Rosmarin und Thymian in einen Topf geben. Aufkochen, auf mittlere Stufe herunterschalten und offen köcheln lassen, bis der Wein fast vollständig verdampft ist. Ein Hauch (!) Flüssigkeit soll übrig bleiben – die Schalotten sollten nicht trocken werden. Rosmarin und Thymianzweige entfernen. Die Butter zugeben und schmelzen lassen. Mit Zimt, Salz und ggf. etwas Zucker abschmecken.

Schnecken zusammensetzen und backen

Ziegencamembert in dünne Scheiben (etwa 5 mm) schneiden, nebeneinander auf ein Brett legen damit sie nicht zusammenkleben. (Wer anderen Käse nimmt: grob reiben.)

Eine runde Kuchenform (25-26 cm) buttern und mehlen. Teig auf bemehlter Arbeitsfläche auf etwa 30 x 40 cm ausrollen.

Die Schalotten darauf verteilen, am oberen Rand etwa 3 cm freilassen (ich hab im Bild ganz oben etwas zuviel freigelassen, darf ruhig weniger sein). Den Käse darauf gleichmäßig verteilen. Mit wenig Salz und etwas mehr Pfeffer bestreuen. Von unten aufrollen. In 12 gleichmäßige Stücke schneiden und mit der Schnittfläche nach oben in die Form legen. Mit Frischhaltefolie abdecken und 8-12 Stunden bzw. übernacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Die Schnecken aus dem Ofen holen und an einen warmen Ort stellen. Den Ofen eine gute Stunde auf 210°C vorheizen (meistens ist er noch nicht heiß wenn er das von sich behauptet). Die Rollen in den Ofen schieben. Temperatur auf 180° herunterschalten. Etwa 30 Minuten backen, bis die Schnecken goldbraun sind. (Etwas dunkler als auf dem Bild – die waren nur 95% durch – ich konnte nicht warten.)

Warm verzehren.


Hinweise

*Wie ich ihn am liebsten gare, beschreibe ich am Ende dieses Artikels. Man kann ihn natürlich auch einfach kochen. Dann sollte man aber extra vorsichtig mit der Buttermilchzugabe sein, weil der Wassergehalt im Kürbis so nicht einzuschätzen ist.

**Die meisten haben wahrscheinlich keinen italienischen Weizensauerteig im Kühlschrank herumliegen. Ohne Lievito Madre nimmt man 14 g Frischhefe und 700 g Mehl.

***Ich habe Saint Mauré genommen. Man kann theoretisch auch jeden beliebigen anderen Käse nehmen. Gut kann ich mir auch eine Mischung aus entweder Gruyère oder Parmesan mit Gouda vorstellen. Emmentaler. Saint Albray. Cheddar. Irgendein Südtiroler. Why not?! Käse ist Käse ist Käse – geil.

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