If the writing isn’t easy, that usually means I haven’t really solved [the problem]. Writing is the best way to discover the weakness in your own argument and then remedy it.
– Daniel Gilbert

Ich arbeite seit etwa zwei Wochen an einer kleinen Einführung in die Schattenarbeit. Die schnellste, effektivste Art, den eigenen Schatten an sich zu nehmen ist es nämlich, die Aspekte, die man einmal abgelehnt hat offen und für jeden zugänglich machen, ein bisschen als ob man noch nie ein Problem damit gehabt hätte.

So wirkt es nämlich nach außen, obwohl es für einen selbst in dem Moment eine unfassbare Überwindung ist. Jedes Mal wenn ich über Aspekte anderer Personen in Zusammenhang mit dieser Arbeit etwas lese, denke ich: Echt? Okay. Krass, wir haben ja fast alle mit denselben Sachen zu kämpfen, und gerade das da ist doch voll menschlich und in Ordnung und geradezu normal. Na gut, dann herzlichen Glückwunsch. Wirklich.

Wenn Schattenaspekte einmal draußen am Licht sind, sind sie längst nicht mehr so furchterregend wie da unten, in den Untiefen des Unterbewusstseins. Wie die Monster unterm Bett, die sich bei Tageslicht als mit Staub bedeckte vermisste Socken entpuppen.

Mein Plan war also: ich mache daraus eine kleine Serie, wie ich mit anderen Themen in den vergangenen zwei Wochen angedeutet habe, der ich immer nach Bedarf etwas zufügen kann. Diese Woche ist mir aber noch eine Eigenschaft aufgefallen, mit der ich große Scham verknüpfe: die Dinge zu ernst, zu schwer zu nehmen – überdramatisierend.

Das Vorhaben, jedem meiner eigenen unterdrückten Aspekte einen eigenen Artikel zu widmen kam mir nämlich plötzlich in diesem Licht – überdramatisierend – völlig lächerlich vor. Wenn ich meinen Schatten wirklich an mich nehmen will, muss ich doch so tun als wäre nichts dabei, mit diesen Eigenschaften, oder?

Abgesehen davon, dass diese Logik eindeutig vom Ego kommt, das alles „richtig“ machen muss, wie „man“ die Dinge nun mal tut, um bloß als richtig wahrgenommen zu werden… Im Gegenteil. Und das fällt mir tatsächlich erst beim Schreiben auf – ist mein Schatten überdramatisierend, muss ich dazu stehen und es genauso machen, wie ich es vorhatte. Jeden Aspekt genau so dramatisch wie ich bin einzeln vorstellen, zerpflücken, und ihm so die Macht über mich nehmen.

Bei all dem emotionalen Wirrwarr haben aber dann gestern Cookies geholfen. Ernsthaft. Ich bin sonst nicht so mit schokoladigen Teigwaren zu kriegen  – ein Bissen reicht mir, dann reicht’s. Aber diese haben mir einen kleinen großen unübersehbaren JAGENAUSO-Moment beschert.

Sie waren beim ersten Versuch schon ganz gut. Überflüssiges wegzulassen war mir allerdings noch schwer gefallen – z.B. dachte ich, Honig und Rum seien eine gute Idee. Theoretisch schon, aber sie haben Geschmacksnuancen hinzugefügt die mich am Ende doch nicht gereizt haben, wirkten ablenkend statt unterstützend.

Als ich beim zweiten Versuch – der tatsächlich nur gestartet wurde weil ich bei dm getrocknete Sauerkirschen gesehen habe! unglaublich, sonst gäbe es dieses Rezept nicht – den Honig gegen den letzten Rest Zuckerrübensirup getauscht habe, die doppelte Menge Kirschen und Cranberries dazu gegeben habe –

Wow. So etwas habe ich lange nicht mehr gegessen. Ultra schokoladig, aber im Gegensatz zu Brownies überhaupt nicht schwer, mit dem säuerlichen, aber saftigen und geschmacksintensiven Biss durch die eingeweichten Kirschen. Eine kleine Menge Chili ist auch drin, der einen dezenten Kick beiträgt ohne als explizit scharf aufzufallen.

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Kirsch-Brownie-Cookies

für 18-20 Stück


Zutaten

400 g getrocknete Sauerkirschen (oder Cranberries, oder beides)
250 g Butter, Raumtemperatur
320 g Zucker
20 g Zuckerrübensirup oder Honig
70 g Frischkäse
2 Eier (Kl. M), Raumtemperatur
210 g Weizenmehl (Type 405)
60 g Roggenvollkornmehl (oder insgesamt 280 g Weizen)
85 g Kakaopulver
1 tl Natron
1/4 tl Salz
1/4 tl gemahlene Vanille
1/4 tl Chili
Fleur de Sel, zum Bestreuen


Zubereitung

Kirschen und Cranberries in einer Schale mit kochendem Wasser bedecken und mindestens 15 Minuten einweichen lassen.

In der Zwischenzeit Butter mit Zucker und Sirup in einer großen Schüssel mit dem Handmixer oder in der Küchenmaschine schlagen, bis die Mischung cremig und deutlich heller ist, etwa 5 Minuten. Die Eier und den Frischkäse nacheinander zugeben, danach jeweils eine Minute schlagen.

Mehle, Kakaopulver, Natron, Salz, Vanille und Chili in einer kleineren Schüssel mischen und zur Buttermischung geben. Auf niedrigster Stufe vermengen, nur bis alles gerade so untergemischt ist (lieber weniger als man denkt). Die Kirschen und Cranberries durch ein Sieb gießen und zum Teig geben. Mit einem Teigschaber alles verrühren.

Den Teig mindestens eine Stunde kühlstellen.

Ofen auf 180°C vorheizen.

Mit einem Eisportionierer 6-8 Teigkugeln auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Den Portionierer nach jeder zweiten bis dritten Kugel unter heißem Wasser abspülen. Jeweils mit einer Prise Fleur de Sel bestreuen.*

12 Minuten backen, bis die Cookies stark duften und sich auf große Kreise ausgebreitet haben. Sie werden beim Herausholen noch quasi flüssig sein, deshalb vor dem Verzehr vollständig abkühlen lassen.

Aus dem restlichen Teig Kugeln formen und kühlstellen, bis das erste Blech Cookies fertig ist.

Die fertigen Cookies 5 Minuten auf dem Blech abkühlen lassen, dann mit dem Backpapier auf ein Gitter ziehen und dort vollständig abkühlen lassen. Die restlichen Kugeln auf ein neues Stück Backpapier setzen und backen.


*An dieser Stelle kann man auch entweder alle oder einen Teil einfrieren. Wenn später einmal Bedarf besteht, einfach die erforderliche Menge Teigkugeln unaufgetaut im vorgeheizten Ofen 15 Minuten backen.

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