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If you were weak and looking to get stronger physically, you’d go to the gym. You’d hire a trainer. You’d watch videos to learn new exercises. You’d work at it. That’s how muscles are built.

If you were ignorant and looking to get smarter or sharper mentally, you’d read books. You’d hire a tutor. You’d play brain games and solve puzzles. You’d work at it. That’s how knowledge is accumulated and intellect is built.

Today, think about how you might strengthen your soul. Search for ways to be kinder, more inclusive, and more open-minded. Build your spirit, like you would sculpt your body or fill your mind. You can be the light that you, yourself, sometimes need.

– Ryan Holiday, Daily Stoic

Letzten Sommer, als es so unerträglich heiß war, hatte mein Sohn eine kurze Phase, in der er abends partout nicht einschlafen konnte.

Während ich das zweite oder dritte Mal hintereinander mit ihm abends um zehn mit dem Kinderwagen draußen war, er halb nackt unter einer Decke, ich mit dreckigem Top, zerzausten Haaren und ungehaltenem bis tränenüberströmten Gesichtsausdruck, drängte sich durch das laute Gewirr an protest- und „why me?“-Geschrei in meinem Gehirn ein Gedanke an die Oberfläche, auf den einige Fragen folgten:

Keiner ist an dieser Situation schuld, mein Kind am allerwenigsten.

Ist es möglich dass sie nur der Aufrechterhaltung meines Egos dient? Kann es sein dass ich diese Situation, diese Phase erst aufrechterhalte, weil ich mit den heftigen Emotionen dazu schlicht ein Bedürfnis habe, gesehen zu werden mit allem was ich leiste? Könnte es sein dass ich sie erst kreiere indem ich mir in meinem Leiden darunter ganz tief im Inneren so gefalle? Was würde passieren, wenn ich auf das Mit-Leiden und die Bestätigung von außen dazu einmal verzichten würde?

Das Ego nimmt alles in Kauf – nur um nicht anerkennen zu müssen dass es diese Situationen sind, die mit dem ewig ungeliebten und salopp daher gesagten „das Leben ist nicht fair“ wirklich gemeint sind. Die Situationen, in denen beim besten Willen keiner „schuld“ oder verantwortlich sein kann. Die Situationen, durch die man gerade deshalb stärker werden kann als je zuvor.

Also sagte ich mir gleich dort draußen: Challenge accepted.

Der nächste Tag kam. Ich erzählte keinem von der letzten Nacht. Mir ging es gut. Ich hatte eine neue, schöne Gelassenheit in mir.

Der Abend kam. Und das Kind schlief, pünktlich um acht.

What’s Klagen?

Alles, was Mitleid oder getarntes Mitleid in Form von „Mitgefühl“ oder „Empathie“ hervorrufen soll bezeichne ich fortan als Klagen.

Klagen dient der Fütterung des Egos.

Man muss sich nicht laut beschweren, um zu klagen. Man kann es mit genervten, gestressten, schmerzenden Gesichtsausdrücken tun. Man kann es mit hektischen Bewegungen tun.

Man kann Klagen auch als Berichten tarnen – eher neutral erzählen was einem widerfahren ist und am Ende einen Köder einbauen, in dem man im Subtext eine Bewertung vom Gegenüber einfordert: „Ist schon alles nicht einfach“, „Ja, so ist es, da kann man nichts machen“, „Schon komisch, oder?“, „FML.“ Die meisten können es aber nicht dabei belassen und wiederholen nochmal das eben Berichtete um die Bewertung aufzuzeigen, die sie vorher angesteuert hatten.

Zu guter Letzt gibt es noch das schöne „Fishing for Mitleid,“ bei dem man seine Geschichte erzählt, meist mit viel Emotion und Detail, um am Ende zu sagen: „Ach, war aber nur halb so schlimm.“

Mein Struggle mit dem Klagen war übrigens keinesfalls nach dem Beispiel oben vorbei. Is er immer noch nicht. Es ist tägliche Arbeit, sich damit zu konfrontieren, was ist hier mein Ego und was brauche ich wirklich?

Ego-Pyjama-Drama vs. gesehen werden

Es ist egoistisch, „Mitgefühl“ zu verlangen – vor allem passiv*. Warum? Weil das Ego unter allen Umständen Recht behalten muss, vor allem über sein Gefühl, sonst gibt’s Drama im Pyjama. (Nein, einfach nur Drama, ohne Pyjama, leider.)

Mitgefühl ist nämlich nichts anderes als eine Bestätigung. Ja: du fühlst. Wenn ich so rede oder mich verhalte, dass ich eine Bestätigung für das erwarte was ich gerade fühle, erwarte ich gleichzeitig dass man mir die Geschichte bestätigt, die mein Ego mir dazu erzählt. Meine Bewertung, mein Urteil soll als richtig abgestempelt werden.

…Und das ist absolut in Ordnung! Wir haben alle ein tiefes, existentielles Bedürfnis, gesehen zu werden. Das ist es, was ich hier eigentlich brauche. In meiner Vollständigkeit akzeptiert werden. Ein Baby stirbt, wenn es gar keine emotionale Bestätigung durch Reden und Mimik von Bezugspersonen bekommt. So wichtig ist es dass wir und unsere Emotionen wahr- und ernst genommen werden.

Mal dir deine Welt bla blurgs

Aber gerade deswegen braucht nicht alles Bestätigung, wofür wir sie – größtenteils unbewusst – fordern. Im Gegenteil, wie man an der Situation oben erkennen kann, ist es häufig besser wenn wir unser meistens selbstgemachtes Leiden für uns behalten. Nicht unterdrücken oder kleinreden, nur nicht weitererzählen.

So können wir nämlich steuern, was in unserer Realität bestehen darf und was nicht. Indem ich mir keine Bestätigung dafür einhole, existiert es gleich schon etwas weniger. Die Proteststimmen werden leiser. Das Ego zieht sich automatisch zurück wenn es sieht, dass hier kein Futter zu holen ist.

Will ich also mehr von der Situation, von der ich gerade berichte? Dann erzähle ich so viel darüber wie man mir erlaubt. (Das ist allerdings meistens kein Klagen mehr.)

Will ich aber tatsächlich, dass man mir meine Opfermentalität bestätigt, dass Die Anderen schuld sind, dass ich nichts hätte tun können und auch jetzt nicht kann, dass die Welt so furchtbar ist und alles einfach keinen Sinn macht? Dann halte ich meine Fresse, ehrlich. Es hilft keinem Menschen, so etwas zu verbreiten, egal wie schlecht es mir damit geht.**

Tatsächlich wird diese meine Bewertung darüber und mein Befinden dazu nämlich erst zementiert indem ich sie weitergebe. Durch die Bestätigung von außen wird sie in meinem Gehirn als real und richtig einsortiert, einen Dosis Dopamin gibt’s gratis dazu, so werde ich regelrecht süchtig nach Meinungsteilung. Außerdem existiert meine Bewertung nun in zwei Personen, und sehr bald schon – weil Naturgesetz – in viel mehr.

Ich kann wählen, was ich mir bestätigen lasse. Ich kann mich gegen mein Ego und für mich entscheiden. Das ist das Entscheidende.

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*Wir sprechen hier, wie gesagt, vom Klagen. Nicht vom Hilfesuchen. Das ist etwas anderes. Leicht zu verwechseln, ich weiß. Noch ein Grund mehr, sich erst einmal der echten Motivation hinter unserem Klagen bewusst zu werden, bevor wir damit fortfahren. Was brauche ich hier wirklich? Ist es mein Ego oder kann ich über meinen Schatten springen und direkt um die Hilfe oder den Beistand bitten – das, was ich mir erhoffe? Siehe auch unten.

**Passiv oder indirekt Mitgefühl zu verlangen ist besonders fies. Die unausgesprochenen Erwartungen an das Gegenüber, darunter meistens die, ohne Worte verstanden zu werden, kommen garantiert nicht an und bergen so ein außerordentliches Potenzial, nicht erfüllt zu werden, wodurch ein Ego-Teufelskreis ensteht. Das Ego kann sich, zusätzlich zum vorher bestehendes Leiden, nun auch noch als Opfer des Gegenübers fühlen. Gründe, weshalb „das ja klar war“ werden schnell gefunden, die Reaktion auf das Gegenüber passt sich dieser feindlichen Haltung an. Das Gegenüber reagiert darauf wiederum ebenfalls entsprechend, ggf. verletzt. Das Ego darf sich nun noch mehr empören: Du bist verletzt? DU hast mich nicht verstanden und wagst es jetzt, verletzt zu sein, dazu noch von mir? Usw. usf.

 

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