Letzte Woche habe ich darüber nachgedacht, was und warum ich hier veröffentliche. Welches Ziel habe ich wirklich, welche Menschen möchte ich ansprechen, nach welchen Kriterien landen bestimmte Rezepte hier und andere nicht?

Feststellung: Ich lasse mich in allen Fragen zu sehr von meinem Verstand leiten. Ist wohl mein Markenzeichen. Andererseits – wem geht’s nicht so? Uns wurde eindoktriniert, das (Bauch-) Gefühl ist fluktuierend, irrational, unlogisch, unzuverlässig.

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Dabei sind wir alle von Grund auf irrational. Es gibt keinen hundertprozentig rationalen Menschen. Im Gegenteil – die, die es von sich behaupten sind tatsächlich die irrationalsten überhaupt, weil sie noch nicht begriffen haben dass sie – wie alle anderen auch – ständig von diesen ach so bösen fluktuierenden Gefühlswogen beeinflusst werden.

Diejenigen, die wissen – ja, ich habe Gefühle, häufig auch oberflächlich unbegründete, aber ich werde mir ihnen täglich etwas mehr bewusst und versuche mit ihnen, statt gegen sie – oder gar ihnen ungeachtet – zu handeln – das sind die Rationalen unter uns, wenn man irgendjemanden so bezeichnen wollen würde. Sie nutzen ihren Verstand mit ihren Gefühlen zusammen, weil ein Verstand ohne bewusst wahrgenommene Gefühle wie ein Reiter auf einem vollkommen wilden Pferd ist, der steif und fest behauptet, er schwebt mittels Kraft seiner Gedanken durch die Welt – da ist gar kein Pferd, obwohl es ihn tatsächlich alle paar Minuten zu Boden wirft. Dann wundert er sich, warum das immer so weh tut. Er hat doch alles fest im Griff!

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Chicken??!!

Der Verstand wird beinahe grundsätzlich von Angst geleitet, sind dem Inhaber die ihm gleichwertigen Gefühle nicht bewusst. Einem Gefühl. See the Widerspruch?

Angst, ich werde blöd angeguckt weil ich einen Foodblog schreibe in dem ich nicht ausschließlich über Essen schreibe. Weil was erlaubt die sich eigentlich. Weiß doch nix. Alles nur Gefühl, kein Fachwissen.

Angst, ich investiere Jahre meines Lebens in ein Bauchgefühl und habe am Ende doch nichts, weil ich nicht auf die anderen (in meinem Kopf) gehört habe, weil ich nichts „Vernünftiges“ mache.

Angst, mein Sohn wird ein „kleiner Tyrann“ weil ich ihn sein lasse wie er ist und mit ihm kooperiere statt von ihm Gehorsam zu fordern.

Angst, ich komme nicht weiter im Leben wenn ich nicht jede Sekunde meiner freien Zeit mit 110%-iger Effizienz nutze.

Angst… ich werde blöd angeguckt. Komisch, das scheint für mich die größte Angst zu sein. Ich werde blöd angeguckt wenn ich nicht das objektiv „Richtige“ mache. Mal ganz davon abgesehen dass es keine objektiv richtigen oder falschen Entscheidungen gibt – aber ist es nicht interessant dass die größte Angst, von der sich mein Verstand leiten lässt, eigentlich nur ein Gefühl ist? Ein Gefühl von einem Gefühl, weil Angst an sich schon eines ist… Woher weiß ich, dass ich blöd angeguckt werde, wenn ich mache was ich wirklich will und kann?

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Der Verstand meint es gut. Er ist vor allem darauf aus, sicherzustellen, dass ich von außen als gut wahrgenommen werde. Dass ich einen Platz in der Gruppe habe. Dass ich alles richtig mache.

Aber dabei legt er mir eigentlich nur ständig Bananenschalen in den Weg*. Er weiß nämlich nicht wirklich, was funktionieren wird. Er spuckt vermeintliches Expertenwissen unzerkaut wieder aus, das er irgendwo aufgeschnappt hat, und glaubt, das ist die ganze Wahrheit. Er achtet nicht wirklich darauf, was für mich richtig ist.

Er meint zu wissen, was objektiv richtig ist. Aber wenn es um mich geht ist alles subjektiv, und wenn selbst seine angebliche Objektivität subjektiv ist, wie kann er dann das Richtige tun? Er ist doch vollkommen verwirrt und weiß es nicht einmal!!

Also lerne ich gerade, meinen Verstand zu babysitten.

Der kleine Verstand möchte aus dem Småland abgeholt werden

Eigentlich ist er nämlich nur ein kleines Kind. Aber er hat schon sooo viel gelesen. Er weiß jetzt schon richtig viel! Vor allem besser!

Da ist es nicht verwunderlich, dass er gerne sämtliche Entscheidungen treffen möchte, die unser Leben angehen. Dafür sollte man sich selbst aber ein bisschen kennen, und Metakognition ist des Verstandes Eichenblatt.

All das „Wissen“ des Verstandes hat zwar – vielleicht – eine allgemeine Gültigkeit, es bezieht aber fast nie die einzigartigen Regeln mit ein, die das dazugehörige Unterbewusstsein im Laufe des Lebens aufgestellt hat. Das weiß der Verstand schlicht nicht, und er weiß nicht dass er das nicht weiß

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Man kann es ihm allerdings beibringen. Daran arbeite ich mit Hochdruck.

Trotzdem finde ich es immer wieder bemerkenswert, wie schwierig es sein kann, den Verstand auszutricksen. Er denkt halt so verdammt logisch. Wir als Gesellschaft geben logischem, „rationalen“ Denken so einen hohen Stellenwert dass das Ego dann auch noch dazukommt und ausgiebig nickt, wenn wir solche Gedanken haben, dem Verstand zufolge logisch, schlüssig, „richtig“.

Wenn wir „wissen“, es ist „richtig“, was wir denken, betreten wir die rote Ego-Gefahrenzone.

Recht-haben ist das Eichenblatt des Egos.

Wir haben das Wissen, wir haben Recht, also fühlen wir uns gut. Was gibt’s da zu hinterfragen?

Alles.

Was wissen wir wirklich?

Wir sterben!

Wann?

Keine Ahnung!

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(Beim Übersetzen der originalen amerikanischen Volumen-Maßeinheiten in Gramm ist mir der weise Verstand auch zunächst dazwischen gekommen, da musste ich den blöden Kuchen nochmal backen, echt ärgerlich. Sarcasm off.)

Also – was bringt mir mein Verstand?

Don’t get me wrong – ich liebe meinen Verstand. Meine liebste Beschäftigung ist die Analyse, schon immer, und wird es beinahe sicherlich immer sein.

Dafür ist mein Verstand wertvoll. Als Utensil, aber nur in enger Zusammenarbeit mit meinen Gefühlen und meinem Bauchgefühl.

Gefühle: Signale. Ausschließlich mit Verstand und Bauch positiv zu nutzen. Meine Gefühle über die Erkenntnis, meinen Verstand von Entscheidungen über diesen Blog fernzuhalten waren heftig – so kam ein ebensolcher erster Text darüber zustande.

Bauchgefühl: Wissen, was für mich und nur mich richtig ist. Als meine Gefühle zu dieser Erkenntnis abkühlten, sagte mein Bauchgefühl: Diesen Text möchte ich gerade nicht weiter bearbeiten. Es fühlt sich nicht richtig an.

Verstand: Denk-Leistung, aka Kognition. Analyse. Als mein Bauchgefühl die Entscheidung getroffen hat, den alten Text zu verwerfen, habe ich meinen Verstand genutzt, um diesen hier einigermaßen schlüssig zu formulieren.

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Anderes Beispiel: Ich habe meinen Verstand heute genutzt, um ein Rezept umzuschreiben, das ich gestern in den Sand gesetzt habe – seinetwegen. Der Teig war flüssig, aber Er hielt am sturen Glauben fest, wir haben alles richtig gemacht.

Alles richtig? Mein Bauch hat gesagt, da muss mehr Mehl rein, dann müssten die Mengen der anderen Zutaten eben angepasst werden.

Mein Verstand hat gesagt – NEIN DAS SOLL SO, IM REZEPT STEHT „TACKY“. ALSO KLEBRIG. ES SOLL SO.

Aus dem flüssigen Teig wurde ein gerade so nicht verbrannter Klotz mit Gummi-Innenleben.

Ach Verstand. Du meinst es nur gut. Aber du kannst es einfach nicht besser. Du brauchst klare Grenzen und liebevolles Begleiten. Wenn die Realität klar gegen dein „Wissen“ spricht – spätestens dann schreite ich ein. (Zumindest übe ich mich darin.)

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Liebes, liebstes Bauchgefühl

Um Entscheidungen zu treffen stelle ich meinem Bauch Ja-Nein-Fragen. Ein Ja ist klar zu entziffern, wie der Gesichtsausdruck meines Sohnes wenn er großes Geschäft macht. Man weiß es einfach.

Alles andere ist ein Nein.

Auf diesem Blog mache ich nichts mehr, was mich kein eindeutiges Ja spüren lässt. Es ist spürbar. Alles in mir leuchtet und schreit und heult, wenn es ein Ja ist.

WHAT?? Sagt der Verstand. Man sollte IMMER das machen, was logisch und sinnvoll ist, nicht das, was ein unbegründetes Bauchgefühl sagt! Wir haben schließlich alle gelernt dass man denkt bevor man handelt, bevor man spricht, generell bevor man irgendetwas tut.

Aber Menschen wie ich kommen gar nicht mehr zum Leben, weil wir so mit Denken beschäftigt sind. Weil wir doch vernünftig sein müssen.

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Ja… fick dich doch, Verstand. Ich hab keinen Bock mehr. Wenn ich eins mittlerweile weiß, ist es dass es mich nicht glücklich gemacht hat, auf dich zu hören. Zu tun, was du für richtig und alleingültig erklärst. Weil du es auf einem Blog wie diesem gelesen hast.

Die Wahrheit ist, all das Wissen kam von anderen Wahrheiten anderer Personen – vielleicht aber nicht mal das. Vielleicht (wahrscheinlich) haben diese Personen auch nur unzerkaut wiedergegeben.

Leben stagniert wenn der Verstand das Sagen hat.

Ich – wir – kommen nur weiter, wenn wir das tun, was uns zum Leuchten bringt. Dann erst können auch andere von uns profitieren.

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Die Wolke

Diesen Schokokuchen mache ich schon seit 2010, als Ree Drummond aka The Pioneer Woman meine Hauptinspiration für alles war. Irgendwann letztes Jahr habe ich zufällig ein interessant klingenden „the old fashion salted chocolate cake“ entdeckt, dessen Frosting quasi Schokopudding ist – keine Ahnung in welchen Zusammenhang, aber es war geil und soft und auf meinem soften Kuchen noch softiger.

Als ich meinem Bauchgefühl diese Woche diverse Rezepte vorsetzte, zu denen ich mir eine Antwort wünschte, sagte es zu diesem Frosting: Mach noch Sahne obendrauf, dann ist es wie eine Wolke.

Der beste, einfachste, göttlichste, weichste, herzzerschmetternd kuchigste Schokoladenkuchen, und obendrauf basically eine Marmorette, nur unmarmoriert? Gah. Take my heart. Take it all.

Ich habe zuerst einfach beide Original-Rezeptmengen aufeinandergepappt. Das war gut, sehr gut. Mir aber zu wenig Pudding. Sieht man übrigens auch auf den Bildern. Viel Kuchen, guter Kuchen, aber der Pudding ging unter. Ich bin der Überzeugung, dass Schokolade in cremiger Form immer besser ist, also habe ich das Kuchenrezept ver-0,8-facht und das Puddingrezept ver-1,5-facht. So sollte das Verhältnis perfekt sein.

Bitte probier es sofort aus, es ist ein wolkiges Schokoladenträumchen.

*Schöne Geschichte: Ich bin die einzige Person, die ich kenne, die es schon einmal geschafft hat, ohne erkennbaren Grund direkt vor einer Bananenschale auszurutschen, außer dem, dass man auf Bananenschalen nunmal ausrutscht, und ich braves Wesen habe mich gut drauf vorbereitet und es schonmal erledigt bevor es so weit war.

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Schokoladenwolke

Kuchen nach The Pioneer Woman
Pudding von Buttermilk Pantry
für eine 23×33 cm Auflaufform


Schokoladenkuchen

200 g Butter
55 g Kakaopulver
200 ml Wasser
200 g Mehl
180 g Zucker
1/3 tl Salz
1/8 tl gemahlene Vanille
120 g Buttermilch (oder Milch+Schuss Essig)
2 Eier (Kl. M)
3/4 tl Natron

Pudding

90 g Milch
45 g Stärke
660 g Milch
135 g Zucker
45 g Kakaopulver
1/2 tl Salz
1/4 tl gemahlene Vanille
100 g Zartbitterschokolade (70%)

Sahnehaube

450 g Schlagsahne
2 EL Puderzucker


Schokoladenkuchen herstellen

Ofen auf 180°C mit Umluft vorheizen. Eine Auflaufform (23×33 cm) einölen oder buttern.

Butter in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze schmelzen. Wasser im Wasserkocher aufkochen. Kakaopulver zur Butter geben und mit einem Schneebesen verrühren. Das kochende Wasser zur Kakaomischung geben, auf höchste Stufe schalten und unter Rühren etwa 30 Sekunden lang kochen lassen. Von der Platte nehmen.

Mehl, Zucker, Salz und Vanille in einer großen Schüssel mischen. Die Kakaomischung dazugeben und mit einem Teigschaber umrühren.

Buttermilch mit Eiern verquirlen. Natron dazugeben. In die große Schüssel zum Teig geben, zu einem homogenen Teig verrühren. In die vorbereitete Form füllen.

Je nach Ofen etwa 17-20 Minuten backen. Stäbchenprobe machen.

Vollständig abkühlen lassen.


Pudding herstellen

90 g Milch mit Stärke verrühren.

Den Kuchen und ein ausreichend großes Stück Frischhaltefolie – um nachher den Pudding abzudecken – neben dem Herd bereitlegen.

Die restlichen Zutaten in einen mittelgroßen Topf geben und unter Rühren bei mittlerer Hitze erhitzen, bis die Schokolade geschmolzen ist und die Mischung beginnt zu dampfen. Die Stärkemischung noch einmal durchrühren und in den Topf geben. Jetzt rühren bis die Mischung deutlich andickt – nicht kochen! Gleich vom Herd nehmen und noch ein paar Sekunden rühren.

Auf den Kuchen gießen und gut verteilen. Sofort Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, um Hautbildung zu vermeiden.


Sahnehaube herstellen; Wolken machen

Sahne mit Puderzucker steif schlagen.

Entweder in einen Spritzbeutel mit großer Lochtülle geben und kleine wolkenartige Tupfer auf dem Kuchen verteilen, oder einfach alles draufhauen (aber vorsichtig) und mit Löffel oder Winkelpalette verteilen.

Dann schnell essen, oder vielleicht besser nicht so schnell. Es ist sehr wolkig. Und schokoladig.

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